1925 bis 1935

1925 Eine Brustfellentzündung erfordert einen Kuraufenthalt in der Zürcher Lungenheilstätte in Clavadel-Davos. Ernst Ludwig Kirchner (1880 Aschaffenburg – 1938 Davos-Frauenkirch) nimmt ihn freundschaftlich auf und führt ihn in die Druckgrafik ein: Holzschnitt, Radierung und Lithographie. Diese Begegnung ist nach Bissière die zweite wichtige in Zenders Leben. Hier in Davos-Frauenkirch lässt Zender Pinsel und Palette lange liegen und widmet sich nur der Druckgraphik. Kirchner fördert und fordert ihn wo er kann, druckt ihm sogar die Abzüge von den radierten Platten und den geschnittenen Holzstöcken auf sein eigenes Vorzugspapier. Kirchners übersteigerte Farbgebung empfindet Zender als unorganisch und gewaltsam. Kirchner schreibt in seinem Tagebuch am 21. November 1926 über Zender: «Seit einiger Zeit verkehrt der Winterthurer Maler Zehnder bei uns, ein netter junger Mensch, sehr zart, seine Malerei sehr ängstlich und befangen aber ehrlich. Mal sehen, was aus ihm wird, langsam kommt er an meine Arbeit heran». Den Abschluss der gemeinsamen Arbeit bildet das Portrait des Geigers Häusermann. Beide Maler arbeiten gleichzeitig vor dem musizierenden Violisten. Das Resultat unterscheidet sich gewaltig und die Wege der beiden Künstler trennen sich. Der Widerstand, den Zender Kirchner leisten muss, lässt ihn seinen eigenen Weg erkennen. Zender schreibt: «Kirchners gewaltsame Palette und Arbeitsweise war unvereinbar mit meinem Erlebnis von Licht und Valeurs. Ich packte meine Koffer und fuhr nach Paris.»

1927 Als geheilt entlassen kehrt Zender nach Paris zurück. Er arbeitet von neuem bei Bissière und in Meudon findet er wieder ein Atelier. Fleissig besucht er die Museen, grosse Ausstellungen und Galerien. Er ist der Ansicht, dass niemand es sich leisten kann, auf die Hilfen, die ihm aus der eigenen Zeit und von anderen Zeiten angeboten werden, zu verzichten. In solcher Haltung drückt sich Zenders Bescheidenheit aus. Hier in Paris findet er die silbrigen und die samtenen Grautöne und die Spiegelungen im Wasser der Seine. 1927–1929 Bezeichnend ist in dieser Zeit die Bevorzugung des Portaits. Alte und neue Freunde sitzen ihm Modell. Die Charakterzüge seiner Modelle interessiert ihn mehr denn je, die Farbe füllt diese Formen nur. Das Expressive, Psychologische und Formale gewinnt die Oberhand über das Malerische. Der Einfluss Kirchner ist in den Portraits noch lange zu spüren. Ende der 20er Jahre werden die Bildnisse seltener und die Wirkung Kirchners verblasst langsam. 1928 Reise in die Auvergne und in die Provence mit dem Stipendium des Winterthurer Kunstvereins.

1929 Erstmals stellt Zender drei Bilder im Salon d’Automne aus: einen liegenden Akt, das Intérieur eines Métrowagens und eine Landschaft an der Seine bei Meudon. Aus der Grauheit macht er einen ersten Vorstoss zur grösseren Farbigkeit.

1930 – 1933 folgt eine sehr dunkle Periode. In den dreissiger Jahren stellt er öfters im Salon d’Automne aus.

1931 Im Hause von Carl Montag lernt er Getrud Kyburg, seine spätere Frau, kennen. Sie ist die Tochter eines Winterthurer Ingenieurs und die Erzieherin der Tochter Montags. Nach der Heirat lebt das Ehepaar Zender im Atelier in Meudon. In finanzieller Hinsicht folgt eine trübe Zeit. Trotzdem kommen sie früh zu einem eigenen Haus. Auf einem Spaziergang durch eine grosse Allee in Mitheuil, östlich von Paris, erspähen sie das Turmhäuschen, das sie für CHF 3’000.– kaufen können. Vater und Schwiegervater stellen das Geld zur Verfügung. Erst nach einer eigenhändigen Renovation wird das Haus bewohnbar: das Wasser holen sie aus einem Ziehbrunnen, Petrollampen geben das Licht und im Garten pflanzen sie Gemüse und Obst an. Das «h» aus dem Namen Zender verschwindet nun endgültig, da die französische Sprache dafür keine Verwendung hat. Dreimaliger Gewinn des Eidgenössischen Kunststipendiums. Diese helfen über die schlimmste finanzielle Not hinweg.

1932 Mitglied der Künstlergruppe Winterthur. Fortan arbeitet Zender an der Rue Beaunier 49, nahe der Porte d’Orléans. Ein Sammler in Paris, Dr. Tacail, kauft seine Bilder.

1933 Zenders erste Ausstellung in der Schweiz findet im Museum Winterthur statt. Sie bringt ihm öffentliche Anerkennung. In Paris stellt er in den dreissiger Jahren im Salon des Tuileries aus.

1934 Übergang von der tonigen, grauen Malerei zu heller Farbigkeit, zur sauberen Palette. Der Reichtum der Valeurs vergrössert sich unendlich durch die jetzt möglich gewordene Ausdehnung der Farbenskala vom reinen Weiss bis zum reinen Schwarz. Er beschäftigt sich stark mit den Malern Corot, Cézanne, Renoir und Matisse ohne sie nachzuahmen. Er sagt einmal: «Die Realität stört mich nicht», also nicht die Vedute, sondern das durch das Motiv angeregte Bild, das heisst die Komposition, zu der die Natur nur den Anstoss gegeben hat, wird erstrebt. Erste grössere Ausstellung im Kunstmuseum Winterthur.