1936 bis 1945

1936 Auf Vorschlag der Eidgenössischen Kunstkommission stellt Zender als einer der schweizer Vertreter an der Biennale di Venezia aus.

1937 – 1939 Der Zumiker Maler Ernst Leu (1913 Kölliken – Zumikon 1994) weilt bei Zender in Paris und sie besuchen gemeinsam die Academie Ranson. Zender tauscht sein Atelier mit dem Winterthurer Maler Gustav Weiss (1886 St. Gallen – Rüdlingen 1973). Jeden Sommer wohnen die Zenders in ihrem Häuschen in Mitheuil bis 1939 der Kriegsbeginn diese Idylle unterbricht. Zenders kehren in die Schweiz zurück, behalten aber die Wohnung an der Rue Beaunier. Im Rückblick sind diese Pariser Vorkriegsjahre oft von persönlichen Entbehrungen gekennzeichnet, doch haben sie die endgültige künstlerische Befreiung gebracht. Rudolf Zender ist seit 1920 vom Militärdienst freigestellt, als man nach dem ersten Weltkrieg dachte, es gebe nie mehr Krieg! Teilnahme an der Schweizerischen Landesausstellung in Zürich. Als Auslandschweizer wird er in der Kaserne Winterthur abgewiesen.

1940 Er bezieht eine möbilierte Wohnung in Winterthur und ein Dach-Atelier an der Marktgasse 31. Doch das Licht von Paris fehlt ihm und Heimweh prägt seinen Alltag.

1941 Geburt des Sohnes Jean-Claude, der später die Musikerlaufbahn einschlägt. Tod des Vaters. Preis der E.G. Bührle-Stiftung, Zürich (Schweizer Preis für Malerei. Hedy Hahnloser war von 1941 – 1945 Mitglied der Jury), zusammen mit dem Genfer Maler Herbert Léon Marcel Theurillat (1896 Saint- Imier – Collonge-Bellerive 1987). Dies bedeutet den Durchbruch als Maler: Emil G. Bührle kauft Bilder, neue Sammler kommen hinzu und in der Künstlergruppe Winterthur beteiligt er sich fortan an den Weihnachtsausstellungen. Der künstlerischen Entfaltung im eigenen Land steht nichts mehr im Weg. Die Museen und Galerien in Zürich, Bern und Basel stehen ihm offen. Bis zum Kriegsende weilt er in Winterthur. Während dem Krieg hilft er Hedy Hahnloser bei der Räumung ihres Dachbodens in der Villa Flora. Unter dem Gastgeber Arthur Hahnloser treffen sich dienstags in der Villa kulturell aufgeschlossene und einflussreiche Persönlichkeiten: der Sammler und Kunstvereinspräsident Richard Bühler, die Künstler Karl Geiser (1898 Bern – Zürich 1957), das Ehepaar Otto Charles Bänninger (1897 Zürich 1973) und Germaine Richier (1902 Grans – Montpellier 1959). In diesem Kreis kann Zender auch wieder Anschluss und Information über künstlerische Ereignisse in Paris finden. Kurz nach Kriegsende stirbt Hedy Hahnloser und der Kreis bricht auseinander.

1942 In einer Zeit der finanziellen Unabhängigkeit stirbt Rudolf Zenders junge Frau Gertrud Zehnder-Kyburz unerwartet und er zieht mit seinem kleinen Sohn zur Witwe seines Vaters, Emma Zehnder-Tanner (nach dem Tod von Zenders Mutter heiratet sein Vater erneut und wohnt weiterhin im Haus an der Oststrasse). Sein Sohn Jean-Claude wächst hier behütet auf.

1943 Während der Kriegszeit Bekanntschaft mit René Victor Auberjonois (1872 Lausanne 1957), gemeinsamer Aufenthalt in Sion, im Hotel de la Paix. Der künstlerische Austausch mit dem Waadtländer Maler bedeutet für Zender die dritte prägende Künstlerbekanntschaft (nach Bissière und Kirchner). Die beiden Maler arbeiten in der Landschaft und diskutieren über ihre Werke.

1944 Ausführung des Wandbildes für das Wohlfahrtshaus der Fischer AG Schaffhausen. Zenders Esprit wird genährt durch die Freundschaft mit der geistreichen Genferin Idelette Bäschlin-Clément. Sie ist ihm bis Ende der sechziger Jahre eine wichtige Bezugsperson, respektierte Anregerin und Kritikerin im malerischen Bereich.

1945 Mit dem ersten Zug, der die Schweiz Richtung Paris verlässt, fährt Zender in seine geliebte Stadt, mit einem Visum für zehn Tage. Sein Sohn Jean-Claude bleibt in der Obhut der Stiefmutter Emma Zehnder-Tanner; auch Zenders Schwester Margrit wohnt im väterlichen Haus an der Oststrasse 8 in Winterthur, wo sie im Parterre eine Arztpraxis eröffnet. In der Folge wechseln für Zender Arbeitsphasen in Paris oder Mitheuil mit Aufenthalten in Winterthur, die vor allem den Ausstellungen und dem Kontakt mit den Sammlern dienen.