1946 bis 1964

1947 Endgültige Rückkehr nach Paris. Die Stadt hat sich stark verändert: die Galerien, in denen Zender ausgestellt hatte, sind eingegangen. Der Salon d’Automne und der Salon des Tuileries zeigen sich in neuem Gesicht: die Dominanz der abstrakten Malerei ist allgegenwärtig. Abstraktion und Surrealismus breiten sich aus und beginnen die gegenständliche Malerei zu verdrängen. Trotzdem hält Zender an der Gegenständlichkeit fest. Er sagt: «Wenn mir die Abstraktion nicht aus der eigenen Erfahrung und im eigenen Bereich zustösst, wenn sie sich mir nicht aus der Notwendigkeit der eigenen Arbeit ergibt, dann lass ich die Finger davon und bleibe bei der Landschaftsmalerei.» Er ist der Meinung, dass das analytische Denken der Feind der création ist. Wegen der Atmosphäre, dem Rhythmus des Lebens und vor allem wegen dem einmalig reizvollen Licht der Ile de France bleibt er im veränderten Paris. Er malt, malt und die malerisch fruchtbarsten zweieinhalb Jahrzehnte seines Lebens folgen. Die Palette wird heller und reiner, der Pinselduktus frischer und sicherer. In den folgenden Jahren kommt Zender häufig nach Winterthur zu seinem Sohn und dieser weilt gelegentlich bei ihm in Paris.

1948 Rudolf Zender erkrankt schwer an einem Ileus.

1948 Arbeiten und Erholung in Rom.

1949 Reise nach Genua.

1952 Malen in Palermo. Fortan mehrere Sommer-Aufenthalte in der Bretagne und in der Normandie. Gegen Mitte der fünfziger Jahre erreicht die Farbe der Bilder Zenders mitunter leuchtende Intensität, ist Ausdruck intensiver Schaffens- und Lebensfreude, erfüllt vom Licht und der Luft über der Altstadt von Paris.

1952–1958 Jedes Jahr Ferien in Dieppe. Frische Farben beherrschen die Werke. Besuch bei Germaine Richier in ihrem Atelier in Paris. Es entstehen einige Bilder von diesem Atelier.

1954 Stirbt seine älteste Schwester, Sophie Gerteis-Zehnder. Beginn einer äusserst fruchtbaren Zeit in der Druckgraphik. In enger Zusammenarbeit mit der Galerie Wolfsberg entstehen farblich fein abgestufte Farblithographien, in denen er bevorzugt heimische Motive verarbeitet.

1957 Seine Heimatstadt Winterthur ehrt ihn mit einer grossen Hommage. Es entsteht eine Ausstellung zusammen mit dem Oeuvre des Bildhauers Otto Charles Bänninger. Die Ausstellung umfasst Zeichnungen, Aquarelle, Lithographien, Ölbilder, thematisch vom Stillleben über Portraits zu Landschaften, bis hin zu einer Wand von Kreuzigungsbildern.

1958 Aufenthalt bei Schweizer Freunden in Griechenland, wo er vor allem in Athen aquarelliert.

1959 Auszeichnung mit dem Karl-Heinrich-Ernst-Preis, Winterthur.

Ab 1960 Jährliche Kuren im Schwefelbad der Terme di Saturnia (Toscana).

1962 Verleihung der Anerkennungsgabe der Stadt Winterthur für geistig Schaffende, zusammen mit Clemens Dahinden (Musiker).

1963 Sein Sohn, Jean-Claude Zehnder, studiert Orgel an der Musikakademie in Wien. Rudolf Zender besucht ihn in Wien und Holland. Während er in Wien nicht zum Pinsel greift entstehen in Harlem einige kleine Werke. Rudolf Zender muss mit einer Landschaft verbunden sein um sie malen zu können und nicht wie ein Reisender nur kurze Zeit in ihr weilen.

1964 Die Heimat ehrt ihn mit dem Kunstpreis der Stadt Winterthur. In seine beiden letzten Lebensjahrzehnte fällt die Freundschaft mit Nelly (Petronella) Rimensberger, der Witwe seines verstorbenen Freundes Emil Friedrich Rimensberger (1894 – 1962). Rudolf Zender hat eine Vorliebe für klare Formen, meidet Weichheit, wählt mit Vorliebe die Disteln in seinem Atelier als Sujet. Er malt schlicht, sein Stil von Schönheit und Poesie ist subtil. An denselben Motiven zeigt er immer neue Perspektiven auf. Er lässt den Farbfleck für sich leben und strebt danach, mit der Farbe zu komponieren. Er ist Kolorist, manchmal spartanisch, beschränkt auf die Monochromie fein abgestufter kühler Grautöne, mal schwelgerisch kraftvoll. Immer lässt er sich von dem Prinzip leiten, die Komposition aus der Farbe heraus zu gestalten. Zender schreibt: «Ich bin eine ganzes langes Leben hindurch unempfindlich gewesen für jede Etikettierung meiner Malerei. Ich gehörte keiner Schule an. Für jedes Bild zählte nur die Ausgestaltung der Valeurs: bald eng zusammen in den Grisailles, bald ausgreifend in gestufte Farbigkeit: in jeder Leinwand, auch wenn ich Porträt oder Interieur male, war das Licht die Dominante, nie die reine Farbe. Noch weniger gab ich Modeströmungen nach, welche aus der Psychologie oder gar der Psychiatrie sich nährten – das analytische Denken, glaube ich, ist der Feind der création.»